Zurück zur Übersicht Allgemein, Deutsch Der letzte Flug Die Wettbewerbsleitung sah vor, am späteren Nachmittag den sechsten und letzten Durchgang der Unlimited zu fliegen. Doch zuvor sollten noch die Polen ihre Flüge vom 5ten Programm nachholen, da ihr Flugzeug aufgrund eines technischen Defekts (Haubenverriegelung beschädigt) ausser gefecht war. Die Österreicher zeigten sportliches Verhalten und liessen die zwei Piloten die letzten Flüge auf ihrem „Sissi“ Swift fliegen. Der Start verzögerte sich allerdings, da eine Regenfront von Westen her direkt auf uns zusteuerte. Wir wurden dann doch kurz etwas nervös und brachten den Swift mit einer Jogging-Einlage noch trocken in den Hangar. 1/3 Jonas mal am Flügel beim (Auto-) Schlepp, gefolgt von der Regenfront 2/3 Der Swift trocken im Hangar 3/3 Zwei Stunden später: Startbereit bei bestem Kunstflugwetter Nach etwas mehr als einer Stunde in der Wohnung, fanden wir uns auf dem Flugplatz wieder im Grid. Bevor wir den Warmup-Pilot für P6 begutachten konnten, flogen die Polen (und insbesondere der führende Maciej) ihr fünftes Programm nach. Und da geschah das unerwartete und erstaunliche: Maciej misslang die teuerste Figur, welche aus einem Männchen, Viertelrolle aufwärts und dreiviertel gestossene Rolle senkrecht abwärts bestand. Er hat das Männchen so aggressiv angestellt, dass es zu einem Weibchen viel. Wie kann das dem mehrfachen Weltmeister passieren, obwohl er doch gar nichts risikieren hätte müssen? Klar, es ist für ihn ein neues Flugzeug und bestimmt sind die Visiere anders eingestellt als er es sich sonst gewohnt ist. Oder hat er doch einfach aus versehen ein Weibchen fliegen wollen? Mich nervt es etwas, hatte ich beim vorherigen Programm unnötig Punkte verschenkt – die Spitze wäre so einfacher denn je zu erreichen gewesen… Schwamm drüber, und mich aufs bevorstehende Programm konzentrieren! Der Warmup-Pilot hat wieder nicht geliefert. Ich lache. Schon wieder. Er liefert mir keine Informationen für den bevorstehenden „unbekannten“ Flug. Da ich schon wieder eine tiefe Startnummer habe, wäre ich um wenigstens eine Demonstration froh gewesen. Lässt sich hoffen, dass meine Vorstellungskraft möglichst nahe an der Realtität ist… Zugegeben, ich fühle mich nicht 100 % bereit für den Flug, wenn nicht am schlechtesten von allen Wertungsflügen. Wenn ich gut vorbereitet bin und das Programm mental im Kopf durchgehe, scheint die nächste Figur jeweils immer logisch und völlig selbstverständlich. Das Programm ist schlüssig und ich muss keine Millisekunde zögern was mein nächster Steuerinput ist. Doch bei dieser Sequenz fällt es mir schwer, auch wenn eigentlich die Figuren sehr sinnvoll aneinander gereiht sind. Und die Figuren an sich sind sehr vordernd die ein korrektes Einhalten der Geschwindigkeiten und Fluglagen erfordern. Genau wie ich es mag! Ab und zu fälle ich aus dem Programm beim Vorbereiten. Ich versuche mich trotzdem positiv zu stimmen und einen Flug mit Selbstvertrauen, Freude und Überzeugung zu präsentieren: „Ich will die Punktrichter mal mit einem so ein richtig schönen, eleganten und präzisen Flugstil beglücken“. Jochen und Sandro bereiten wie immer alles erstklassig vor. Ich muss nur ins Flugzeug steigen, angurten, die Check machen, das Glücksgummibärchen auswählen und einnehmen, die Haube verriegeln und starten. Im Schlepp motiviere ich mich mit dem einen oder anderen Jubel-Ruf, Pfeifen eines Ohrenwurmes und einigen Worten an die Judges was ich ihnen schönes zu präsentieren habe. 1/5 Letztes "durchfliegen" am Boden: Korrekt vorgespannt im Turn? 2/5 Hohe Konzentration auch bei der letzten Figur im Rollenkreis! 3/5 Ruhe vor dem Start 4/5 Ist der nicht schön ?!? 😍 5/5 Vor dem Schloss von Tourrettes Der Flug startet gut. Die Zeitenrollen fühlen sich knackig und präzise an. Das Timing im Turn stimmt, es fächert schön um die Flächenspitze. Das Männchen dann: Naja. Obwohl ich gefühlt kerzengerade nach oben schoss, kippt es oben leicht nach links weg. Nicht perfekt, aber könnte schöner sein. Fahrt aufholen bis 250 km/h, damit ich rund 270 km/h habe für die erste Knacknuss. Fahrt passt, 45° auf, kurze Linie, halbe Rolle, kurze Linie und dann fest drücken. Aber nur gerade so viel, dass die Strömung nicht abreisst. Ja keinen Flügel hängen lassen und Querruderinput geben. In einem engen negativen Loop-Bogen komme ich mit wenig Fahrt oben dann wie gewünscht in der Vertikalen an. Halber negativer Flick. Sitzt. Negativ raus und erste wichtige Figur ist solide erflogen. Die Käseecke ist eigentlich eine Advanced Figur. Ich vernachlässige sie desswegen nicht und fliege sie so präzise wie möglich. Winkel sollten gepasst haben, aber im Scheitel habe ich dann einen leicht hängenden Flügel, noch OK. Ich vergesse nicht, in der Vertikalen wieder massiv Fahrt aufzuholen für die nächste Knacknuss, welche auch von mir vorgeschlagen wurde. Kurze Figurentrennung, hart in die Vertikale ziehen, sofort 1/4 aufwärts rollen und dann den positiven Loopbogen einleiten. Kurz vor dem Horizont den Flick einleiten. Kommt! Aber oje, der ist mir doch etwas früh wieder eingehängt. Egal, Fehler kaschieren und einen sauberen Übergang in den negativen Loopbogen. Halbe Rolle und dann der Rollenkreis ist ok bis gut für meine Verhältnisse. Im noch leicht varrierende Rollgeschwindigkeit, aber die Aufteilung sollte gepasst haben. Abwackeln. Mir ist sofort klar, dass der Flug nicht weltmeisterlich gewesen ist. Da war halt doch noch da mal ein leicht hängender Flügel, da ein leichtes Schieben und dort kein sauberes Einrasten nach einem Flick. Und natürlich, meine gerissene Rolle war echt grenzwertig ausgehängt und vorallem etwas nachgerollt. Aber, das Vertuschen lernt man auch und kann ich immer besser. Gut möglich, dass die Punktrichter das nicht so sehen und gar nicht so fest abwerten, wenn überhaupt. Mein Gefühl deckt sich mit dem Feedback vom Sandro und Jochen. Ich bin etwas ernüchtert. Ich konnte nicht einen Flug abliefern, der mein Bestes wiedergibt. Und ausgerechnet bei meiner geliebten, teuren Figur habe ich etwas gepatzt. Ein Podestplatz wird nicht mehr drinnliegen, da bin ich überzeugt. Gleichzeitig wusste ich aber schon auch, dass sehr vieles solide war. Im oberen Teil war ich im Flow und der Flug an sich war deckungsgleich mit meiner mentalen Vorstellung im Training. Und keine HZ. Das ist an sich schon eine starke Leistung. 1/2 Das Programm P6: Herausfordernde Figuren, aber sinnvoll verlinkt. 2/2 Im Rückenflug in der Box neben Fayence Es wir nur noch bis Nummer 11 geflogen, der Rest wir am Freitagvormittag fliegen. Es bleibt also bis zum Schluss spannend!