Zurück zur Übersicht Aerobatics, Allgemein, Deutsch, Flugschule und Ausbildung, pll_6ab7a15dc613c, Safetyworkshop Wenn das Segelflugzeug plötzlich auf dem Kopf steht! Bericht des Kursleiters Sam Santschi über den SFVS Breitenförderungskurs Segelkunstflug vom 16. bis 22. August 2026 in Thun. Sechs Teilnehmer, knapp 100 Flüge und eine Woche voller ungewöhnlicher Fluglagen: Vom 16. bis 22. August 2026 fand in Thun der Breitenförderungskurs (BFK) Segelkunstflug statt. Was nach einer Woche Rollen, Loopings und Rückenflug klingt, war vor allem eines: intensive Weiterbildung mit einem klaren Ziel – mehr Sicherheit im Segelflug. Was ist eigentlich ein BFK? Der Breitenförderungskurs (BFK) ist ein spezialisiertes Weiterbildungsprogramm des Segelflugverbandes der Schweiz (SFVS). Es richtet sich an lizenzierte Segelfliegerinnen und Segelflieger. Die BFK decken verschiedene Bereiche des Segelflugs ab. Dazu gehören Gebirgsflug, Strecken- und Wettbewerbsflug sowie Segelkunstflug. Der BFK Segelkunstflug hat dabei eine besondere Aufgabe. Egal ob als Einstieg in die Welt des Segelkunstfluges oder als erweitertes Sicherheitstraining: der BFK Segelkunstflug ist der ideale Einstieg in die Welt der Loopings, Vrillen und Rollen. Eine Woche Kunstflug in Thun Der BFK Segelkunstflug 2026 fand vom 16. bis 22. August in Thun statt. Los ging es am Sonntag, 16. August, um 17.00 Uhr mit dem Eröffnungsbriefing. Am Samstagabend endete die Kurswoche. Sechs Teilnehmer reisten aus verschiedenen Regionen der Schweiz nach Thun. Sie brachten unterschiedliche Erfahrungen, Ziele und Erwartungen mit. Was sie alle gemeinsam hatten: Sie wollten fliegerisch weiterkommen. Organisiert wurde der Kurs durch den Segelflugverband der Schweiz und die Segelfluggruppe Thun. Die Kursleitung übernahm Adrian Sieber von der SG-Thun. Unterstützt wurde er durch die Fluglehrer Roman Baumer, Stefan Heldstab, Matthias Zimmermann und Sam Santschi. Und geflogen wurde fleissig: Fast 100 Flüge kamen während der Kurswoche zusammen. Bei sechs Teilnehmern bedeutet das: Der Himmel über Thun hatte einiges auszuhalten. Vier Programme – sechs Ziele Der Kurs bot vier verschiedene Ausbildungslehrgänge an. Dazu gehörten die Kunstflug-Basisrechte und die Erweiterung auf die Fortgeschrittenenrechte nach EASA-SFCL.200. Ein weiterer Schwerpunkt war das praktische Sicherheitstraining für Segel- und Streckenflieger. Dabei ging es unter anderem um: Lagefliegen, Überziehen und Abkippen, Vrillen, Erfliegen und Retablieren ungewöhnlicher Fluglagen, Fliegen ausserhalb des persönlichen Komfortbereichs, Stressreduktion und Erhaltung der Handlungsfähigkeit im Ernstfall, Auffrischung des persönlichen Trainingsstandes. Dazu kam die Fluglehrerausbildung im Kunstflug. Die Programme waren unterschiedlich. Das Ziel war aber immer dasselbe: Das Flugzeug besser verstehen, kontrollieren und auch in ungewöhnlichen Situationen handlungsfähig bleiben. Wenn der Komfortbereich verlassen wird Für viele Segelflieger ist der normale Flugalltag ziemlich klar definiert. Kurve links. Kurve rechts. Thermik suchen. Höhe machen. Wieder heimfliegen. Im Kunstflug wird diese Komfortzone bewusst verlassen. Das Flugzeug wird auf ungewöhnliche Fluglagen gebracht. Der Pilot erlebt Situationen, die im normalen Flug möglichst nie auftreten sollen. Wer einmal bewusst erlebt hat, wie sich ein Flugzeug beim Überziehen, Abkippen oder in der Vrille verhält, reagiert im Ernstfall möglicherweise ruhiger und zielgerichteter. Der Kopf kennt die Situation. Das Flugzeug ist nicht mehr ganz so fremd. Und der Puls hat vielleicht auch etwas weniger zu sagen. Wenn das Wetter anderer Meinung ist Natürlich durfte auch 2026 ein wichtiger Teilnehmer nicht fehlen: das Wetter. Am Montag und am Freitag konnte nicht geflogen werden. Das war allerdings kein Grund, die Flügel hängen zu lassen. An beiden Tagen wurde Theorieunterricht durchgeführt. Denn Weiterbildung findet nicht nur statt, wenn der Himmel blau ist. Und ganz nebenbei hat Theorie den Vorteil, dass niemand beim Blick aus dem Fenster überlegen muss, ob er gerade lieber einen Looping oder einen Kaffee machen sollte. Die Teilnehmer – sechs Ziele, sechs Wege Die sechs Teilnehmer kamen aus verschiedenen Segelfluggruppen und mit unterschiedlichen Ausbildungszielen nach Thun. Andreas Walti von der Segelfluggruppe Winterthur hatte ein klares Ziel: die Kunstflug-Basis- und Fortgeschrittenenrechte nach EASA-SFCL.200. Ziel erreicht. Auch Tobias Meier von der Segelfluggruppe Obwalden absolvierte die Ausbildung für die Kunstflug-Basis- und Fortgeschrittenenrechte nach EASA-SFCL.200. Auch hier: Ziel erreicht. Mit Daniel Renggli stellte die Segelfluggruppe Obwalden gleich einen zweiten Teilnehmer. Auch er erreichte die Kunstflug-Basis- und Fortgeschrittenenrechte nach EASA-SFCL.200. Damit darf die SG Obwalden gleich zweimal mit neuen Kunstflugrechten nach Hause fliegen. René Hunziker von der Segelfluggruppe Birrfeld konzentrierte sich auf das Advanced-Wettbewerbstraining. Hier ging es weniger darum, erstmals mit dem Kunstflug anzufangen. Vielmehr stand die Weiterentwicklung vorhandener Fähigkeiten im Vordergrund. Luca Del Nero von der Segelfluggruppe Yverdon-les-Bains absolvierte ebenfalls das Advanced-Wettbewerbstraining. Präzision, Figuren, Abläufe und Wettbewerbsvorbereitung standen dabei im Mittelpunkt. Denn im Wettbewerb reicht es bekanntlich nicht, dass eine Figur ungefähr dort stattfindet, wo sie auf dem Papier eingezeichnet ist. Patrick Weinmann vom Vol à Voile Club Valais hatte ein besonderes Ziel: Weiterbildung als Fluglehrer im Kunstflug. Damit wird aus dem eigenen Können im nächsten Schritt die Fähigkeit, dieses Wissen und diese Erfahrung an andere Piloten weiterzugeben. Kunstflug ist mehr als Looping und Rückenflug Segelkunstflug wird von aussen gerne mit spektakulären Figuren verbunden. Loopings. Rollen. Rückenflug. Vrillen. Turn. Kubanische Acht. Das gehört dazu. Aber Kunstflug ist kein Selbstzweck. Er ist ein Werkzeug. Ein Sicherheitstraining. Ein persönliches Lernfeld. Und manchmal sogar ein kleiner Gamechanger im Kopf. Denn wer gelernt hat, ungewöhnliche Fluglagen zu erkennen, zu akzeptieren und sauber zu retablieren, hat im normalen Segelflug einen zusätzlichen Erfahrungsschatz. Das kann helfen, wenn eine Situation einmal nicht nach Plan läuft. Wobei es im Wettbewerb darum geht, die vorgegebenen Figuren so präzise wie möglich zu fliegen – bewertet von einer Jury am Boden. Mehr Kontrolle – Mehr Sicherheit – Mehr Freude Am Ende einer solchen Kurswoche geht es deshalb nicht nur um neue Berechtigungen oder sauber geflogene Figuren. Es geht um Erfahrung. Um Routine. Um das Vertrauen in das eigene Können. Und darum, auch dann souverän und handlungsfähig zu bleiben, wenn das Flugzeug plötzlich etwas macht, das im Briefing noch deutlich harmloser ausgesehen hat. Weiterbildung ist immer gut. Mehr Kontrolle bedeutet mehr Sicherheit. Und mehr Sicherheit bedeutet letztlich auch mehr Freude am Fliegen. Der BFK Segelkunstflug 2026 in Thun hat genau dazu beigetragen. Mit fast 100 Flügen, sechs motivierten Teilnehmern, vier engagierten Fluglehrern – und einer Woche, in der vermutlich der eine oder andere Pilot gelernt hat, dass die Welt auch kopfüber ganz ordentlich aussehen kann. Die Breitenförderungskurse finden jährlich statt, meist in den Sommermonaten. Die Ausschreibungen des Segelflugverbandes der Schweiz enthalten detaillierte Info und sind jeweils online unter: www.segelflug.ch Fotos: René Walther und Sam Santschi Autor: Sam Santschi, Fluglehrer SG-Thun