Zurück zur Übersicht Allgemein, Deutsch Auch heute startete der Tag wieder mit dem Briefing um 8 Uhr für Sandro. Das Briefing an einer Kunstflug-WM unterscheidet sich etwas von dem bei Streckenflugwettbewerben (oder wie man in der Kunstflugszene sagt: „Streckenmugglerwettbewerben“). Es wird erwähnt, wie der Wind auf den verschiedenen Höhen weht, was die offizielle Windrichtung in der Box ist und welche Pistenrichtung gilt, bevor der Tagesablauf bekannt gegeben wird. Auf gesperrte Lufträume oder die Thermik wird nicht eingegangen, da diese für einen Kunstflugwettbewerb irrelevant sind. Somit dauern die Briefings nur wenige Minuten – Pflichtveranstaltungen sind sie dennoch. Anschliessend ging es für Sandro zurück in die Unterkunft. Er genoss die Landschaft rund um Tourrettes bei einer gemütlichen Joggingrunde mit einigen Höhenmetern, während Jonas sich weiter auf das Programm 3 (Known) konzentrierte. Jonas geht das Programm X-mal im Kopf durch, fliegt es trocken am Boden ab und nutzt auch mal den mitgebrachten Simulator. Nach dem ausgedehnten Frühstück ging es wieder zum Flugplatz, wo die teilnehmenden Nationen Figuren für das Programm 4 (Unknown 2) vorschlugen. Heute brachte das Haribo-Glückskrokodil etwas Glück: Wir durften als dritte Nation eine Figur einreichen. Das Kleine Manko an der dritten Position ist, dass die ersten drei vorgeschlagenen Figuren zusammen einen Schwierigkeitsfaktor (K-Faktor) von 110 nicht überschreiten dürfen, was die Auswahl einschränkt. Erfreulicherweise wählten die ersten beiden Nationen Figuren mit eher niedrigem K-Faktor, sodass Jonas seinen Favoriten mit einem höheren K-Faktor (42) durchbringen konnte. Nach dem Zeichnen der Figuren kehrten Jonas und Sandro vorerst in die Unterkunft zurück. Währenddessen waren auch Christiane und Jochen unterwegs. Sie erkundeten die Schönheit von Fayence sowie die Umgebung bei einer Wanderung und besichtigten den Jardin Grand. Interessanterweise fand heute ein grosses Gemeinschaftsessen vor deren Unterkunft statt – auch hier war der Segelflugsport omnipräsent (siehe Bilder). Während Jonas das heutige Programm weiter vorbereitete und trainierte, machte sich Sandro daran, einen Entwurf für das Programm 4 zu basteln. Aus den sieben vorgeschlagenen Figuren muss ein Ablauf zusammengestellt werden, der mit maximal zwei Zusatzfiguren harmonisch und in der richtigen Geschwindigkeit für die einzelnen Figuren geflogen werden kann. Sowohl Jochen als auch Jonas waren mit Sandros Entwurf einverstanden. In der Zwischenzeit traf auch das Ergebnis von Jonas zweites Programm ein: Er erflog den soliden 4. Platz und konnte wertvolle Punkte auf die Spitze gutmachen. Gegen 15 Uhr fuhren Jonas und Sandro wieder auf den Flugplatz. Gleich nach der Ankunft kontrollierten sie die Scoresheets – und siehe da: Bei einem Judge fehlten zwei Punkte. Anstelle von 8.5 Punkten wurden nur 6.5 im Scoringprogramm eingetragen. Da die Protestzeit noch lief, wurde der Fehler anstandslos korrigiert. Nachdem der Swift am Start stand, wurden die Programme der Konkurrenz beobachtet, um ein Gefühl für das Positioning zu bekommen. Jonas nahm daraufhin letzte Feinjustierungen an seiner Positionsplanung zusammen mit seinem Trainer Jochen vor. Die Aufgabe des (nichtfliegenden) Teams ist es, dem Piloten so viel Arbeit wie möglich abzunehmen, damit er stressfrei fliegen kann. Aus diesem Grund montierten Jochen und Sandro die Visiere (mit denen der Pilot die Flugwinkel gegenüber dem Horizont prüft). Dabei unterlief Sandro ein kleines Malheur: Die Halterung des rechten Visiers brach ab. Glücklicherweise hatte Jonas passendes Ersatzmaterial mitdabei, sodass das Ungeschick schnell behoben war. Christiane, Jochen und Sandro fuhren nach dem Start von Jonas etwas abseits, um den Flug besser beobachten zu können. Auch heute zeigte er eine starke Leistung. Bis auf den um 180 Grad aussengerollten Rollenkreis (eine 180-Grad-Kurve bei gleichzeitiger Rolle nach aussen) waren alle sehr zufrieden. Das gesamte Schweizer Team wartet nun gespannt auf die Noten der Punktrichter. Nachdem wir von allen Piloten der Unlimited-Klasse deren geflogenen Programme begutachtet hatten, wurde der Swift geputzt und für die Nacht vorbereitet. Zurück in der Unterkunft sitzt Jonas mittlerweile an der „Gutenachtgeschichte“. Seit Jonas und Sandro 2018 das erste Mal gemeinsam an einer Kunstflug-WM (in Zbraslavice, CZE) teilnahmen (Jonas als Pilot, Sandro als Helfer), gibt es diese Tradition: Normalerweise denkt sich Franziska (Franzi) Kaiser (Teammanagerin von Deutschland) eine gute Nachtgeschichte für die beiden aus. Nach zwei Geschichten an der diesjährigen WM von Franzi war vorgestern Sandro an der Reihe, und heute erfindet Jonas eine Geschichte, die anschliessend an Franzi und ihr Team geschickt wird. Was Kunstflugwettbewerbe besonders macht: Obwohl Piloten aus den verschiedensten Ländern gegeneinander antreten, freut man sich mit, wenn andere einen guten Flug zeigen. Das stärkt den Zusammenhalt und den sportlichen Geist enorm. 1/10 Sandro auf seiner Joggingrunde - hier kann man gut die Höhenmeter sehen... 2/10 Die Landschaft zeit sich auf der Joggingrunde von Sandro von seiner schönen Seite 3/10 Ausflug von Christiane und Jochen beim Jardin Grand 4/10 Wie man sieht, ist auch beim grossen Gemeinschaftsessen Segelflug omnipräsent (siehe Pavillon) 5/10 Jonas darf endlich seine Favoriten-Figur vorschlagen 6/10 So sieht es aus, nachdem alle Nationen (inkl. FAI) die Figuren vorgeschlagen haben für das Programm 4 (Unknown 2) 7/10 Während Jonas das Programm 3 (Known) im Simulator trainiert, denkt sich Sandro mit den vorgeschlagenen Figuren ein mögliches Programm aus 8/10 Jonas geht in seiner Box (siehe Boden) das Programm nochmals durch 9/10 Auch vor dem Flug wird das Programm vor dem inneren Auge nochmals "abgeflogen" 10/10 Sandro startet Jonas für den nächsten Flug