Zurück zur Übersicht Allgemein, Deutsch Langsam wird es Ernst Das Training ist vorbei. 10 Starts sind eine hervorragende Ausbeute und eine sehr gute Grundlage für den Wettbewerb. Jonas konnte die FreeKnown bei unterschiedlichen Wind- und Boxrichtungen nochmals trainieren und perfektionieren. Dazwischen eingestreut immer wieder Starts fürs Figurentraining oder, um die geplant vorzuschlagenden Figuren für die Unbekannten Programme zu üben. (Siehe Exkurs Unbekannte Figurenvorschläge.) Die Beobachtung der Konkurrenzflüge ist dabei auch ein wichtiger Aspekt und eine sehr gute Rückmeldung, um die eigene Leistungsfähigkeit zu beurteilen. Der vorletzte Flug kostete dann leider ein Flügelvisier – der Halter hat die Beschleunigung an der Flügelspitze nicht mehr ertragen wollen … (Das ist auch die Auflösung zum Bild: Wer findet den Unterschied? Genau hinschauen!) Der Ersatz der Visiereinrichtung konnte dank reichlich vorhandener Ersatzteile schnell erledigt werden, inkl. Verbesserungen, um das Maleur auf keinen Fall bei einem Wettbewerbsflug zu erleiden. Bei diesem hohen Niveau der Konkurrenz kommt es eben sehr wohl auf 3° mehr oder weniger drauf an. Da braucht es unbedingt eine Peilhilfe. Heute, am Mittwoch, lassen wir es etwas langsamer angehen – der Morgensport ist erledigt, die Lebensmittelvorräte werden nochmals ergänzt, und dann freuen wir uns alle auf das Eröffnungsbriefing um 15.00 Uhr, die offizielle Eröffnungsfeier um 18.00 Uhr und explizit darauf, dass es losgeht! Exkurs Unbekannte Figurenvorschläge Ein Großteil der zu fliegenden Programme bei einem Kunstflugwettbewerb besteht aus Figurenabfolgen, die erst 24 h vorher veröffentlicht werden und natürlich nicht trainiert werden dürfen: den Unbekannten. Diese Unbekannten werden nach festgelegten Kriterien erstellt. Bei den vorangehenden Pilotenbriefings dürfen 6 Nationen je eine Figur vorschlagen, die in diese Programme einfließt. Aus diesen Vorschlägen basteln Chiefjudge und Mitarbeiter ein mehr oder weniger harmonisch fliegbares Programm, das jeder Teilnehmer fliegen muss. Natürlich wird man als Pilot eine Figur vorschlagen, die man selbst sehr gut fliegen kann, weil man sie im Vorfeld schon ausgiebig trainiert hat. Es ist zudem die einzige Möglichkeit, persönliche Vorlieben oder taktische Erwägungen zu platzieren. Grundlage ist der Aresti-Figurenkatalog, der die erlaubten Flugmanöver und die Kombinationen auflistet und regelt. Taktische Erwägungen können sein: Figurenvorschläge, die – mit einem Flugzeugtyp, z. B. Swift, besser zu fliegen sind als mit einem anderen, z. B. Fox, – von denen man weiß, dass andere sie nicht so gerne fliegen (z. B. mit hohen negativen Beschleunigungen), die man selbst aber gut aushält, weil man körperlich gut trainiert ist, – die ungewöhnliche Figurenteile enthalten (wie z. B. eine gerissene halbe Rolle aus dem horizontalen Rückenflug) und die deshalb selten in Programmen auftauchen, – die eine extrem hohe Schwierigkeit haben und sehr selektiv wirken können, – die aus oft geflogenen Standardfiguren bestehen, aber eine seltene Abweichung besitzen (z. B. Reversement mit einem 45°-Knick im Abgang), – die eine leichte Variation von vielen möglichen darstellen, weil man sie komplexer nicht so gerne fliegt und man nur eine Variation davon vorschlagen darf (bevor ein anderer vorschlägt). Nun muss man sich aber auch im Klaren darüber sein, dass die eigene Figur nur eine von vielen Vorschlägen ist und die beschriebenen taktischen Erwägungen allein deshalb nur marginalen Einfluss haben. Interessanterweise entwickelt sich dann bei der Einreichprozedur der Figuren immer wieder ein ähnliches Geschehen, das sich überspitzt satirisch etwa so beleuchten lässt: Bei mehr als 6 teilnehmenden Nationen wird zuerst per Los festgelegt, welche 6 Nationen eine Figur einreichen sollen, und dazu aufgerufen. Einem überraschtem Aufstöhnen folgt sofort ein hektisches Blättern im Aresti-Figuren-Katalog. Mit zunehmender Faszination konzentriert sich die Auswahl auf die schwierigsten und unangenehmsten Figuren, oftmals sogar auf solche, die man persönlich extrem ungern fliegt oder die Schwierigkeitstoleranz überschreitet (man möchte es dem „Gegner“ nämlich schwer machen!). Manchmal entdeckt der Pilot sogar Figurenkombinationen, die ihm im Leben nicht eingefallen wären zu fliegen, von denen er bisher gar nicht gewusst hat, dass es sie gibt! Und man mag es kaum glauben: Es sind diese undenkbaren, extrem schwierig fliegbaren Figurenvorschläge, die erleichtert von der gelungenen Auswahl vom Team-Captain eingereicht werden. Bääng! Schon ist es passiert! Die nächste Unbekannte wird ein Hammerprogramm. Alle stöhnen, die Köpfe rauchen, erste Warnungen werden laut, das wäre zu riskant etc. etc. Zum Glück bereitet es meist nur eine schlechte Nacht, bis die Unbekannte geflogen wird. Dann allerdings muss schon die nächste Unbekannte erstellt werden – siehe oben! Klar – das ist heftig überspitzt, leider trotzdem sehr real. Ich kann versichern, dass die Schweizer Figurenvorschläge eine andere Entwicklungsgeschichte hinter sich haben 🙂